Jumbo-Film: Brauchen Reportagen ein Storyboard?

Für Jumbo realisiert RedAct eine Reihe von Filmen. Was braucht der Filmemacher, um ein optimales Resultat zu erzielen? Ein Fachgespräch mit Timo Wäschle von CORPMEDIA.


Timo Wäschle

Hand aufs Herz, Timo: Wie oft filmst du einfach drauflos, obschon das Briefing unvollständig ist?

Des Öfteren. Die Kunst liegt darin, den Kunden, dessen Look, die Botschaften und auch die Zielgruppen zu verstehen. Wenn dies gegeben ist, braucht sich der Kunde keine Mühe und auch keine Sorgen zu machen. 

 

 

Es gibt Informationen, die du zwingend brauchst.

Selbstverständlich. Oft herrscht beim Kunden aber Unklarheit, was er uns sagen muss. Hier interviewen wir den Kunden sehr ausführlich, oder haben einen redaktionellen Partner wie RedAct, der die Bedürfnisse des Kunden kennt, übersetzt und uns brieft.

 

Ihr habt für uns einen Film über die Neueröffnung einer Jumbo-Filiale in Bachenbülach realisiert. Wir haben euch lediglich die Storyline vorgegeben. Weshalb war das in diesem Fall ausreichend?

Ihr habt das Thema, die Botschaften und die wichtigsten Inhalte klar eingegrenzt und die Form bestimmt: Die filmische Dokumentation. Also das Schema «Ausgangslage, Problemlösung, Ergebnis» und das Stilmittel «Reportage». Und ja, wir haben das Set-up zuvor gemeinsam diskutiert und ihr wart vor Ort mit dabei. Sehr effizient. Aus dem vorhandenen Budget kann man so das Maximum herausholen.

 

Storyline – Treatment – Storyboard. Wo ist der Unterschied?

Die Storyline beschreibt den Ablauf in groben Zügen. Bei der Storyline sind Ausgangspunkt und das Ergebnis klar. Quasi von A nach E. Bei den Zwischenschritten – B, C, D – muss man sich nicht zwingend an die Chronologie klammern. Handwerklich und künstlerisch spannend ist der Film dann, wenn ein offensichtlicher Schritt – zum Beispiel das D – weggelassen wird und der Kontext trotzdem verstanden wird. Haben wir natürlich auch bei diesem Film gemacht. Das Treatment hat einen höheren Vertiefungsgrad. Neben dem Text, welchen der Protagonist spricht, sind hier die Bilder in Prosa beschrieben. Das Storyboard ist nochmals detaillierter. Hier sind die einzelnen Einstellungen bereits mit Bildern illustriert.

 

Wir gaben den Protagonisten kein Script vor, haben aber redaktionell in die richtigen Fragen investiert.

Und das war gut so: Jérôme Gilg, CEO von Jumbo, und die anderen Protagonisten kannten ihre Antworten.

 

Wann ist ein vorgegebener Text von Vorteil?

Viele Protagonisten sind unsicher. Ein Filmset (Kamera, Lampen und Crew) kann Menschen unter Druck setzen. Falls jemand sich im Thema nicht sehr wohl fühlt oder Inhalte zwingend erwähnt werden müssen, ist es ratsam, den Text vorzugeben. Es ist wie ein Geländer, an dem man sich festhalten kann. In der Regel geht das aber auf Kosten der Lebendigkeit. Wir ermuntern die Protagonisten, eigene Worte zu wählen. Um beim Bild zu bleiben: Der Protagonist soll versuchen, frei neben dem Geländer herzulaufen. Der Text dient dann als Leitfaden. Wir legen jedoch grossen Wert auf das Coaching des Protagonisten. So führen wir ihn mit Fingerspitzengefühl durch diese nicht so einfache Aufgabe. Denn wenn er sich wohl fühlt, führt dies zu einem besseren Ergebnis.

 

Inwiefern hat unser Briefing euch in eurer Arbeit unterstützt?

Ihr habt uns damit aufgezeigt, inwelchem Rahmen wir uns bewegen und was der Kunde erwartet. Ihr wisst genau, wo der Kunde hin will – und ihr vertraut uns. Das hat uns beiden genügend Freiheit gelassen, um kreativ zu sein.

 

Timo Wäschle ist Inhaber und Produzent von CORPMEDIA.