Warum Recherchieren zum Schreiben dazugehört

Wir haben recherchiert und gelernt: Prosecco ist eine Herkunftsbezeichnung und keine Traube. «Prosecco-Ernte» – eine etwas unglückliche Wortschöpfung.

 

Der erste Gedanke zum Text:

Aha – der zuständige Redaktor zeigt sich mangels Platz im Lead kreativ und erfindet die «Prosecco-Ernte». Wir fragen uns: Wie erntet man Prosecco – in ganzen Flaschen? Und sind gleichzeitig besorgt, weil gerüchteweise auch die Suhsi-Büsche, die Joghurt-Bäume (hier nur diejenigen, die Kirschgeschmack abliefern, quasi der Kirschbaum) und die schoggieierlegenden Vollmilchsäue nur noch schwache Erträge liefern, letztere besonders kurz vor Ostern.

 

Wir haben uns gefragt:

Und wenn es sie doch, gibt, die «Prosecco-Traube», deren Ernte letztes Jahr so mies war?

 

Unsere Recherche:

Prosecco ist ursprünglich der Name einer alten Rebsorte aus Venetien. Bereits im Altertum war der Prosecco als vinum Puclnum hochgeschätzt. Doch per 1.10.2010 haben die italienischen Behörden den Traubennamen verboten, stattdessen ist «Prosecco» neu eine Herkunftsbezeichnung. Nur Prosecco aus einer gesetzlich definierten Region um die Gemeinden Valdobbiadene und Conegliano darf den Status eines «DOC»-Prosecco bei Einhaltung vorgeschriebener Qualitätsstandards tragen. Weine, Perlweine und Sekte aus der gleichen Traube aus anderen Teilen Italiens, dürfen nur die Bezeichnung «IGT» tragen.

Und die Prosecco-Traube? Sie heisst seit 2010 «Glera» und ist eine Diva: Sie neigt zu Verrieselung und Kleinbeerigkeit und damit zu eingeschränkten Erträgen. Womit wir wieder bei der schlechten Prosecco-Ernte sind.

 

Gelesen in «20minuten» am Dienstag; 26. Mai 2015.