Andrea Hofstetter

«Schaun ma mal»: Andrea Hofstetter im Ösi-Check

Bei RedAct arbeiten Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen: Aargauer, Thurgauer oder Schaffhauser. Der neuste und bisher exotischste Coup der Geschäftsleitung: Andrea Hofstetter, eine Österreicherin. Über dieses sonderbare Alpenvolk gibt es viele Klischees. Ein Versuch, diese Klischees zu zementieren.

Liebe Andrea, Österreicher gelten als faul, biertrinkend und …

(Unterbricht.) Faul? Gemütlich ist das korrekte Wort!

 

Moment, ich war noch nicht fertig: Ihr seid faul, biertrinkend und habt einen eigenartigen Akzent. Was davon trifft auf dich zu?

Also faul sind wir nicht, vielleicht ein bisschen gemütlich. Bei uns gilt das Credo «Schaun ma mal, dann seh ma eh». Bier trink ich eher nicht, wenn, dann einen Radler oder wie man in der Schweiz sagt: ein Panaché. Und vom Dialekt her hatte ich in der Schweiz bisher keine Probleme, den finden die meisten sogar sehr sympathisch.

 

Unsere Kunden müssen sich also keine Sorgen machen, dass sie dich nicht verstehen könnten?

Am Telefon versuche ich jeweils, deutliches «Hochdeitsch» zu sprechen. Ich bin ja schon einige Jahre in der Schweiz und fühle mich durchaus verstanden. Zwischendurch schleicht sich sogar das eine oder andere schweizerdeutsche Wort ein.

 

Beispiele?

Zum Beispiel «lug emal», «ebe» oder «weisch» oder «nöd». (Schmunzelt.)

 

Man sagt auch, dass Österreicher nicht gerade entscheidungsfreudig seien, und spricht diesbezüglich von der sogenannten «österreichischen Lösung». Einer Art Scheinkompromiss, der am Ende keinem etwas bringt.

Ja, wir sind schon eher ein entscheidungsunlustiges Volk. Das sieht man zum Beispiel am Rauchverbot in Österreich. Da gibt es im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern immer noch keine Lösung. Das ist eben dieses «Schaun ma mal». Aber ich versuche mich hier schon eher an den Schweizer Gepflogenheiten zu orientieren: pragmatisch, diplomatisch und lösungsorientiert.

 

Wie werden sich diese Eigenschaften auf deine tägliche Arbeit als Redaktionsleiterin auswirken?

Natürlich wollen wir für unsere Kunden weiterhin Printmagazine produzieren, mit denen sie ihre Leserschaft begeistern können. Sei es durch eine spannende Themenwahl, unterschiedliche Formate und eine einladende Blattarchitektur. Zudem möchte ich einen Schwerpunkt auf die Digitalisierung der Magazine setzen. Das Ziel ist es, unsere Kunden verstärkt mit digitalem Zusatzcontent zu versorgen.

 

Zurück zur Klischeekeule: Wir haben noch einige «Entweder-oder-Fragen» für dich parat: Maier oder Mozart?

Wenn du den Skiläufer Hermann Maier meinst, dann entscheide ich mich lieber für Mozart. Ich fahre zwar gerne Ski, aber mit dem Skisport und den Rennen kann ich nichts anfangen. Da geh ich lieber in die Oper und schau mir die «Zauberflöte» an.

 

Sachertorte oder Schnitzel?

Eine schwierige Frage. Ich sag mal Schnitzel. Bevor ich in die Schweiz kam, habe ich mir nie was aus Schnitzel gemacht, aber wenn ich jetzt nach Österreich fahre, dann will ich unbedingt «ans» essen gehen.

 

Falco oder Gabalier?

Eindeutig Falco. Auf meiner Playlist ist kein einziger Gabalier-Song, dafür einige Falco-Lieder.

 

«Kommissar Rex» oder «Sissi»?

«Sissi» find i scho guat. Aber nur den ersten Teil. «Sissi» ist halt irgendwie Kult. «Kommissar Rex» habe ich vor allem als Kind geschaut.

 

Ganz zum Schluss nochmals eine Frage zu deiner künftigen Arbeit hier bei RedAct, wo du als Chefredaktorin das Verbundmagazin «Smart» managen wirst. Was reizt dich an dieser Aufgabe?

Das ganze Gebiet des Corporate Publishing ist breit und komplex. Beim Content Marketing geht es darum, sowohl Kunden als auch Leser zufrieden zu stellen, das finde ich spannend und herausfordernd. Meine Aufgabe wird es künftig sein, die verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen – ich freue mich sehr darauf.

 

 

Andrea Hofstetter kommt aus Kärnten, ist mit einem Schweizer verheiratet und lebt seit fast zehn Jahren in Zürich. Ihren Mann hat sie entgegen den Erwartungen nicht beim Après-Ski irgendwo am Grossglockner, sondern im Ausgang in Wien kennengelernt. Nach der Matura und einem Austauschjahr in Argentinien studierte sie Germanistik/Romanistik in Wien und Santiago de Compostela. In der Schweiz hat Andrea Hofstetter bisher unter anderem bei der «Zürichsee Zeitung», der Kinderzeitschrift «Junior» und in der Verlagsredaktion der «Luzerner Zeitung» gearbeitet. Ob Rapperswil oder New York: Andrea ist gerne unterwegs und liebt gutes Essen, Netflix und seit neuestem auch Billie Eilish.