«Es ist immer ein Jonglieren»

Jaqueline Müller-Steiner (32), Art Director bei RedAct Kommunikation AG, über Kinder kriegen, Fluglärm und Wendestofftiere.

 

In Glattbrugg, wo RedAct domiziliert ist, hast du deine Jugend verbracht. Was ist dir aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben?

Der Fluglärm – mit dem ich aufgewachsen bin und den es natürlich noch immer gibt. Irgendwann hört man ihn aber nicht mehr.

 

Wodurch zeichnet sich gutes Design aus?

Wenn es zeitlos wirkt und du es auch nach zehn Jahren noch anschauen kannst, ohne rot zu werden. Bei Möbeln und Architektur sticht da für mich natürlich ein Meister wie Le Corbusier hervor. Dann gibt es auch noch diese vor Jahrzehnten entwickelte Schriften – etwa Helvetica oder Frutiger –, die heute immer noch funktionieren und frisch wirken.

 

Wofür schlägt dein berufliches Herz?

Ich arbeite am liebsten mit Bildern und erarbeite Konzepte. Was ich liebe, sind neue Herausforderungen – Dinge, die Neuland für mich sind. Am Anfang bin ich da jeweils vielleicht etwas überfordert, aber am Ende gibt’s eigentlich immer einen Lernerfolg. Das ist dann die Belohnung.

 

Du bastelst ganz spezielle Stoff-Tiere. Was hat es damit auf sich?

Ich nenne sie Wendestofftiere. Ich nähe eben gern und freue mich, wenn ich Hand anlegen kann. Wegen meiner kleinen Tochter hab’ ich angefangen mit diesen witzigen Viechern, aber jetzt bin ich einen Schritt weiter: Wenn alles nach Plan läuft, gehen sie dieses Jahr in Produktion.

 

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Deine knapp 2-jährige Lina bekommt bald ein Geschwisterchen. Wie lautet dein Rezept, Beruf und Mutterschaft optimal zu verbinden?

Es ist immer ein Jonglieren, aber ich habe auch Unterstützung durch meine Mutter, meinen Mann – und dann gibt es zum Glück noch die Kita. Nach drei Tagen Arbeit freue ich mich echt darauf, zu Hause zu sein. Doch nach ein paar Tagen bin ich auch wieder froh, andere Gesprächspartner um mich zu haben und mich mit neuen Themen zu beschäftigen.

 

Worauf bist du stolz?

Dass ich direkt nach der Hochbauzeichner-Lehre den Beruf gewechselt habe – hin zum Design, das die Fantasie mehr anregt. Am Architekten-Zeichentisch wäre ich nicht glücklich geworden. Ich brauche kreative Impulse.

 

 

«Banksy finde ich cool.»

 

 

Eine schwierige Aufgabe, die du mit Bravour gemeistert hast?

Kinder zu bekommen! (Lacht.) Im Ernst: Bei der Agentur Unikat liessen sie mich 2013 das neue Corporate Design für die Bank Vontobel ausarbeiten. Wenn damals nicht die negativen Schlagzeilen wegen Uli Hoeness gewesen wären, wäre mein CD-Manual wohl 1:1 umgesetzt worden. Doch es war dann einfach der falsche Zeitpunkt für ein Redesign. Heute sehe ich aber: Einiges von dem, was ich damals gestaltete, wurde später doch noch übernommen.

 

Welche Medien machen gescheiter, welche doofer?

Eher dumpf wirken die meisten Reality- und Casting-Shows im TV, aber auch Facebook kann recht öde sein. Und trotzdem süchtig machen. Das Internet empfinde ich jedoch mehrheitlich als Bereicherung. Gezieltes Suchen schliesst die meisten Wissenslücken. Auch Blogs finde ich oft aufschlussreich. Bücher sowieso. Mein Lieblingsroman war übrigens «Momo».

 

Welche drei Smartphone-Apps nutzt du am häufigsten?

Als Pendlerin die SBB-App. Logo, denn da kaufe ich alle meine Billette. Ansonsten die klassischen wie Whatsapp, aber auch die Flohmarkt-Plattform tutti.ch.

 

Ein Kreativer, der dich massgeblich beeinflusst hat?

Banksy finde ich cool, diesen britischen Streetart-Künstler mit seinen Schablonen-Graffiti. In der Musik mag ich Sigur Ros, diese isländischen Meister des sphärischen Abtauchens in ungeahnte Soundgefilde. Für mich haben sie den Zeitlupen-Rock erfunden.

 

Was solltest du in deinem Alltag aus ökologischer Sicht verändern?

Den Müll trenne ich definitiv. Und gehe mit dem Kinderwagen einkaufen statt mit dem Auto. Noch brauchbare Gegenstände bringen wir ins Brocki oder auf den Flohmarkt. Die Energiesparer sind wir aber nicht so. Im Gegenteil: Die Stromrechnung steigt jedes Jahr. Keine Ahnung wieso.

 

Der beste Ratschlag, den du je bekommen hast?

Ich rede manchmal etwas viel. Da riet mir eine Freundin mal: «Wisse immer, was du sagst, aber sag nicht immer, was du weisst.»

 

Der seltsamste Ort, an dem du je warst?

Das isländische Hochland – an Stellen, wo man nur mit Allradantrieb hinkommt. Da dachte ich streckenweise, wir wären auf dem Mond gelandet.

 

Wohin wolltest du schon immer mal abhauen?

Das darf ich hier doch nicht sagen. Sonst findet ihr mich ja dort.