Darum setzt Amazon auf echte Buchläden

Im November 2015 ging Amazon offline. Das Unternehmen eröffnete in Seattle einen Buchladen. Die Branche wunderte sich.

Ein Vierteljahr später nun das nächste Gerücht. Amazon will in den USA bald 300 – 400 Buchläden eröffnen. Die Branche reibt sich die Augen. Kämpft sie doch einen Windmühlenkampf gegen die Onlinekonkurrenz, und dann sind da ja noch die E-Books.

 

Online goes offline – ein vernünftiger Weg

Jeff Bezos ist CEO von Amazon. Er hat die Buchbranche revolutioniert – mit tieferen Preisen, mit dem Kindle, vor allem aber mit «Empfehlungen». Mit eigenen («andere Leser interessierten sich auch für …») und mit fremden (Kundenbewertungen).

Nun sagt Jeff Bezos: «Wir wollen die Vorteile des Online-Einkaufs und des stationären Handels verbinden. Neben jedem ausgestellten Buch werden Kärtchen mit Bewertungen platziert, die Preise im Laden und im Internet sind dieselben.» Von Online zu Offline. Wir erleben hier die konsequente Verschmelzung zweier Welten. Amazon nimmt «das Beste aus beidem» und spricht damit Kunden an, die empfänglich sind für ein Einkaufserlebnis. Die Bücher anfassen und probelesen wollen, bevor sie sie kaufen.

 

Strategische Gedanken dazu

Allgemein strategisch gedacht: Amazon erweitert die Kundenreise (Customer Journey) um zusätzliche Berührungspunkte (Touchpoints) und spricht so andere Segmente an. Strategisch gedacht bezüglich Content Marketing und Storytelling, erstens: Wollen wir mit Inhalten z.B. mehr Leads oder mehr Loyalität generieren, sollten wir stetig hinterfragen, mit welchen Kanälen und Touchpoints wir welche Zielgruppe bedienen. Strategisch gedacht bezüglich Content Marketing und Storytelling, zweitens: Digitale Inhalte und Gefässe eignen sich auch für Offline-Kommunikation (und umgekehrt). Wenn Jeff Bezos die Leserempfehlungen aus dem Internet den Kunden im Laden zur Verfügung stellt, schafft er mit «user generated content» einen Mehrwert.

Übrigens finden die Kunden im Buchladen in Seattle auch die jeweiligen Lieblingsbücher von Jeff Bezos. Hmm. Er sollte es trotzdem nicht übertreiben.