«Leute mit Rang und Namen bereichern jedes Magazin»

gunzinger_piccard_01

Wenn Andreas Turner, Managing Partner bei RedAct Kommunikation, den Kern eines Unternehmens oder einer Marke freilegen will, wendet er sich so direkt wie möglich an den CEO oder die prominente Persönlichkeit dahinter. Die Beweggründe dafür erläutert er hier.

 

Andreas, du legst Wert darauf, in den Kundenmedien, die du betreust, den «VIP-Pegel» möglichst hoch zu halten. Welche Überlegung steckt dahinter?

Die gleiche, weshalb bezahlte Magazine wie «Forbes», «Manager Magazin», und «Bilanz», aber auch «Gala», «Hello!» und «Bunte» immer einen Markt haben werden. Nichts zieht Leser stärker an als Leute mit Rang und Namen, also CEOs und Prominente. Unternehmen, die sich in ihren Publikationen immer nur mit sich selbst beschäftigen, werden irgendwann kurzsichtig. Endstation Betriebsblindheit. Die Kommunikationsleute in den Unternehmen dürften deshalb dem Bestreben, ihr Magazin mit klingenden Namen ausserhalb ihres Dunstkreises zu schmücken, ruhig etwas mehr Gewicht geben. Der Kunde braucht einem Qualitätsdienstleister wie RedAct Kommunikation ja nur freie Hand zu lassen. Den Rest erledigen wir.

 

Weshalb ist in der Kommunikation immer der Chef gefragt?

Der CEO gibt dem Unternehmen, dem er vorsteht, ein Gesicht. Er sollte selbst die Werte und Ziele vertreten, für die seine Firma bekannt ist. Seine Reputation und die des Unternehmens hängen ganz eng zusammen. Wenn die Leute aus erster Hand informiert werden, schafft dies am ehesten Vertrauen. Deshalb gebe ich mich, wenn ich ein Unternehmen dem Leser nahebringen möchte, höchst ungern mit dem stellvertretenden Pressesprecher oder Marketingleiter zufrieden.

 

 

«Nichts zieht Leser stärker an als Leute mit Rang und Namen, also CEOs und Prominente.»

 

In welcher Mediengattung ist es schwieriger, CEOs und A-Prominenz für Interviews zu bekommen – in «freien» Medien oder im Content Marketing?

Eindeutig in Letzterem. Denn Prominente und CEOs haben natürlich ein feines Gespür entwickelt, wenn man sie vor den Image-Karren eines anderen Unternehmens spannen will. Der Nutzen, sich zu präsentieren, muss für sie klar erkennbar sein. Das Schöne dabei, wenn die Zusage kommt: Je weiter oben die Kommunikationsflüsse angesiedelt sind, desto professioneller und effizienter gestaltet sich in der Regel die Zusammenarbeit.

 

 

pepe_lienhard

Bandleader Pepe Lienhard im Kundenmagazin der IB Langenthal AG.

 

Wir wollen’s genauer wissen: Wie bewegt man berühmte Leute zu einem Auftritt im Medium eines anderen Unternehmens?

Da ist schon beim Knüpfen der Kontakte Kreativität gefragt. Ein Magazin kann noch so hochwertig daherkommen – man sollte besser nicht dem Irrtum verfallen, dass prominente Zeitgenossen für ein Interview Schlange stehen. Oft läuft man bereits gegen eine Wand bei den offiziellen Kommunikationsverantwortlichen, die sich nur zu oft als «Kommunikationsverhinderer» verstehen. Roger Federer etwa habe ich über seine damalige Freundin und heutige Frau Mirka für ein B2B-Magazin gewonnen. Roger stand etwas unter Zeitdruck. Letztlich stellte Mirka ihm die Fragen, die ich für ihn vorbereitet hatte, und gab mir seine Antworten telefonisch weiter.

 

Gibt es eine Frage, die du jedem CEO stellst?

Nein, obwohl mich neben dem Fachlich-Spezifischen besonders interessiert, wie die Führungsperson des jeweiligen Unternehmens tickt. Auch Fragen nach subjektiven Glücksmomenten, Lebenskrisen oder dem Sinn des Daseins braucht man dabei nicht auszuklammern. Neben dem Sachlich-Fachlichen geht es mir darum, Gespräche wo immer möglich emotional aufzuladen. Ist Hofberichterstattung angesagt, schläft mir das Gesicht ein. Viel lieber konfrontiere ich.

 

Um was zu erfahren?

Die Wahrheit.

 

Gibt es auch unstatthafte Fragen?

Nicht wirklich. Allerdings gibt es dumme Antworten.

 

Begegnungen, die dich beeindruckt haben?

Reinhold Messner hat nicht nur Unglaubliches geleistet, er schreibt auch scharfsinnig und brillant. Reinhold Messner zu treffen, ist ein absolutes Highlight für jeden Journalisten. Bertrand Piccard hatte ich völlig falsch eingeschätzt. Ich hielt ihn mit seinem beinahe endlosen «Solar Impulse»-Projekt für eine Art Öko-Schmarotzer. Er hat mich im Gespräch eines Besseren belehrt. Seine Haltung zur Energiepolitik dieses Landes ist echt und verlangt Respekt. Es entspringt seiner innersten Überzeugung, Cleantech auf breiter Basis zum Durchbruch zu verhelfen.

 

 

reinhold_messner

Interview mit einem Urgestein: Reinhold Messner signiert sein Dolomiten-Buch.

 

Ist Piccard der richtige Mann dafür?

Zweifellos. Wenn einer es schafft, die Schweizer Bevölkerung für eine saubere Zukunft mit erneuerbaren Energien zu begeistern, dann er. Ein Bertrand Piccard macht keine halben Sachen. Er ist bestens informiert, hoch intelligent und absolut integer. Eine unschlagbare Kombination. Einen geeigneteren Botschafter für eine funktionierende Energiewende, die auch rentabel ist, könnte sich die Schweiz gar nicht wünschen.

 

Wie bringst du die Prominenten dazu, sich im Interview zu öffnen?

Ich strebe stets danach, bei Interviews hundertprozentig vorbereitet zu sein. Wer CEOs oder bekannten Persönlichkeiten mit Fragen kommt, die allgemein und oberflächlich sind oder ihnen schon hundert Mal gestellt worden sind, hat schlechte Karten. Die Interviewpartner müssen merken, dass man sie und ihren Job ernst nimmt – das Unternehmen, das sie in oberster Verantwortung führen, oder beispielsweise auch das Buch, das sie geschrieben haben. Es geht mir darum, weniger ein Interview zu führen, als vielmehr ein Gespräch in Gang zu bringen. Oft gelingt das auch.

 

 

«Wer CEO’s oder bekannten Persönlichkeiten mit oberflächlichen Fragen kommt, hat schlechte Karten.»

 

Und wenn nicht?

Dann versuche ich die Leute von ihrer Bedeutung, die sie im öffentlichen Leben haben, zu überzeugen. Das kostet unter Umständen viel Kraft. Es hilft aber wirklich, sich akribisch vorzubereiten und das Gegenüber dann mit punktgenau ausgewählten Zitaten zu verblüffen. Die Befragten fühlen sich geschmeichelt, dass jemand sich so ausführlich mit ihnen auseinandergesetzt hat, und öffnen dem Interviewer im Idealfall ihr Innerstes.

 

Hast du deine eigenen Fragen irgendwann satt?

Ich sage mir manchmal: Diese Dinge hast du im Grunde schon hundert Mal angesprochen, wenn auch jeweils mit anderen Worten. Und frage mich: Bist du noch bei der Sache? Oder solltest du lieber dein Philosophiestudium nachholen?