Das Interview – Werkzeug der Meisterklasse: Teil 3

Hommage an die verkannte Königsdisziplin des Journalismus – mit ein paar bemerkenswerten Beispielen.

Foto: Manfred Werner, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Dolly Buster (45), eigentlich Katerina Nora Bochnickova, begann ihre Karriere als Pornodarstellerin und ist mit dem Pornoproduzenten Josef Baumberger verheiratet. Mit André Müller kam es zu keiner Annäherung.

 

ANDRÉ MÜLLER: Ich habe Ihre Homepage studiert.

DOLLY BUSTER: Ich sehe, Sie haben sich da richtig hineingearbeitet.

ANDRÉ MÜLLER: Ein Stück aus Ihrem Spielzeug-Sortiment hat mich besonders inspiriert.

DOLLY BUSTER: Aha.

ANDRÉ MÜLLER: Da wird ein sogenannter «Lust-Torso» mit folgenden Zeilen gepriesen: «Keine Last mit der Lust! Dringen Sie ein! Die weiche, rosa Pforte öffnet sich nur für Sie. Sie werden feucht und schlüpfrig empfangen.  Sensationelle Schwingungen breiten sich aus, stufenlos …»

 

DOLLY BUSTER: Ja, und wo steckt die Frage?

ANDRÉ MÜLLER: Ich frage Sie: Ist die Lust eine Last?

DOLLY BUSTER: Dazu muss ich sagen, ich habe diese Texte nicht selbst geschrieben, weil meine Internet-Seite von Beate Uhse gestaltet wird.

ANDRÉ MÜLLER: Im Buddhismus, dem Sie anhängen, ist die Freiheit von Gier das höchste Ziel. Ein Erleuchteter würde Ihr Pornoangebot nicht mehr nötig haben.

DOLLY BUSTER: Der würde, im Grunde genommen, fast gar nichts mehr nötig haben. Also der Buddha sass ja so und so viele Jahre unter einem Baum, ohne dass er was nötig hatte. Er hat zwar gegessen, aber nur kleinste Mengen. Er hat versucht, nichts zu essen, weil er festgestellt hat, dass das Unsinn ist, und hat dann nur noch ein Minimum zu sich genommen. Der Sinn des Buddhismus ist eigentlich, dass man versucht, alles zu minimieren.

 

Dass Alice Schwarzer als Galionsfigur der Frauenbewegung endlich entfernt werden muss, darauf kann sich die feministische Nachhut heute sofort einigen. Aber was kommt danach? Protokoll-Fragment eines sperrigen Wortwechsels.

 

STERN: Es ist ungeheuerlich, wie Sie manchmal mit Frauen umgehen, die nicht Ihrer Meinung sind.

ALICE SCHWARZER: Ja ja, ist mir klar, Sie sind der bessere Feminist, ja, ist klar.

STERN: Nein.

ALICE SCHWARZER: Los, raus damit! Ja, raus damit, ja ja, wie ich die Frauen beschimpfe und abkanzle, nein? Also was mach ich denn?

STERN: Sie machen sie…

ALICE SCHWARZER: … nieder.

STERN: Ja, wenn sie Ihnen nicht folgen wollen.

 

ALICE SCHWARZER: Ja, ist klar, und was schliessen wir daraus? Schwarzer, die heimliche Frauenhasserin.

STERN: Daraus schliessen wir…

ALICE SCHWARZER: Na bitte, was schliessen wir daraus? Also das musste jetzt mal gesagt werden. Stimmt irgendwas nicht mit mir?

STERN: Sie sind nicht neugierig.

ALICE SCHWARZER: Ach, ich bin nicht neugierig.

STERN: Sie gehen mit einer These an etwas heran …

ALICE SCHWARZER: Ja, ja.

STERN: … und suchen die Bestätigung dieser These, und wenn Ihnen da nicht zugestimmt wird, dann überschütten Sie die Person mit Beleidigungen. Da wird mit Urteilen einfach drübergefahren auf eine fast faschistische Art …

ALICE SCHWARZER: Das nehmen Sie aber rein in das Interview, was Sie jetzt sagen.

STERN: Das nehm ich rein, ganz bestimmt.