Das Interview – Werkzeug der Meisterklasse: Teil 4

Hommage an die verkannte Königsdisziplin des Journalismus – mit ein paar bemerkenswerten Beispielen.

 

Reinhold Messner (Bild: Vale93b, Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Bild: Vale93b, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Man braucht sich nicht gross aus dem Fenster zu lehnen, um Reinhold Messner einen radikalen Lebensentwurf zu unterstellen. Klettern als Suizid-Prophylaxe sozusagen.

 

PLAYBOY: Sie sagen, Sie steigen auf die Berge und gehen zum Südpol, um nicht verrückt zu werden.

REINHOLD MESSNER: Richtig, ja.

PLAYBOY: Wie sieht die Verrücktheit aus, die Sie befürchten?

REINHOLD MESSNER: Ich würde im Zimmer hin und her gehen wie ein wildes Tier, das man eingesperrt hat. Ich würde nicht mehr klar denken können. Ich bin als Student, der eigentlich klettern wollte, nachts häufig aufgewacht, in Angstschweiss gebadet, weil ein bestimmter Gedanke dauernd durch meinen Kopf lief. Ich habe im Kreis gedacht. Die Gedanken haben sich hinten selbst angebissen. Ich habe furchtbar gelitten.

PLAYBOY: Aber Sie sind nicht verrückt geworden.

 

REINHOLD MESSNER: Hätte ich weiterstudiert statt auf den Himalaya zu gehen, hätte ich mich vermutlich erschossen.

 

 

Der Kunde ist ein ziemlich unangenehmer Geselle. Und das ist gut so. Meint der Handelsexperte Gerrit Heinemann (54).

 

BRAND EINS: Herr Heinemann, wenn es um die Zufriedenheit seiner Kunden geht, bemüht der Einzelhändler keinen Satz so gern wie …

GERRIT HEINEMANN: … den, der behauptet, der Kunde sei König.

BRAND EINS: Und? Ist er das?

GERRIT HEINEMANN: Nein. Wir haben in Deutschland nach wie vor eine Servicewüste.

BRAND EINS: Ist das nicht inzwischen ein überholter Allgemeinplatz?

 

GERRIT HEINEMANN: Leider nicht. Die Aussage ist aus zwei Gründen berechtigt. Der erste wird subjektiv von jedem immer wieder erlebt, der irgendwo in einen Laden geht: Das Personal hat immer noch nicht verstanden, was Kundenzufriedenheit bedeutet. Es gab kürzlich eine repräsentative Umfrage unter Verkäuferinnen und Verkäufern des deutschen Einzelhandels. Die wurden gefragt: Was verstehen Sie unter Kundenzufriedenheit?

BRAND EINS: Was kam heraus?

GERRIT HEINEMANN: 78 Prozent haben geantwortet: Wenn ich mit dem Kunden zufrieden bin. Der zweite und eigentliche Grund liegt tiefer. Die abstrakte Servicewüste, wenn Sie so wollen. … Das Berufsbild Handel ist hierzulande seit 30 Jahren im Grunde zerstört. Die Bezahlung ist schlecht, die Aufstiegsmöglichkeiten nach ganz oben sind begrenzt, und insbesondere das Image ist sehr schlecht. Es ist kein Traumjob, im stationären Einzelhandel zu arbeiten, eigentlich untere Schublade.