Print ist tot? Prince ist tot! Print geht’s gut, danke der Nachfrage.

Ist das Internet der Totengräber der Printpublikationen? Oder vielleicht sogar ihr Retter? Finden Sie es hier heraus. Und sicherheitshalber drucken Sie diesen Artikel aus, bevor Sie ihn lesen.

Wenn Sie denken, Print sei tot, haben Sie möglicherweise etwas verwechselt. Prince, der kleinwüchsige Musik-Gigant aus Minneapolis, ist tot. Schon seit 2016. Print aber lebt. Auch 2019.

 

Chronik eines angekündigten Todes

Wie kommt das? Seit einer gefühlten Ewigkeit wird er uns nun schon prophezeit, der Untergang sämtlichen bedruckten Papiers. Galgenfrist: ein Jahr, maximal. Dann ist’s aber wirklich gut. Rest in peace, Druckindustrie. Knapp 600 Jahre nach Gutenbergs Bibel werden wir es endlich geschafft haben: Kein Altpapier mehr, das wir bündeln und vor die Haustür stellen müssen. Im Gleichschritt marschieren wir in eine bessere, papierlose Welt.

 

Das ist, mit Verlaub, Bullshit. Papier wird auch in Zukunft ein Informationsträger sein.

Natürlich hat das Internet einen Branchenwandel ausgelöst, der seinesgleichen sucht. Laufend werden Magazin-Titel eingesargt, Redaktionen eingestampft. Aber – ketzerische Frage – könnte das vielleicht an der Qualität, an der Relevanz der Inhalte liegen? Geht es nicht vor allem anderen um Attraktivität, Authentizität und um das Beherrschen des Handwerks – ganz unabhängig vom Informationsträger?

 

Die Vorteile von Print

Wer heute Print macht, muss sich genau überlegen, welche Inhalte er bringt und welche Form diese Inhalte haben. Es gilt also, die Vorzüge von Print zu verstehen und gezielt auszuspielen. Ein Beispiel: Wird etwas gedruckt, entsteht ein in sich geschlossenes Produkt mit einem Anfang und einem Ende. Es besitzt einen klar definierten Umfang – was angesichts des uferlosen Web keine schlechte Nachricht ist.

 

 

Auf Printmedien entfallen im deutschen Sprachraum jährliche Investitionen in Höhe von 3,4 Milliarden Euro. Das sind 10% mehr als letztes Jahr.

Quelle: Content Marketing Forum | Scion (2018)

 

Einem hochwertigen Heft, Magazin oder Buch merkt man an, dass es mit Liebe hergestellt wurde. Man begreift bereits viel, wenn man es nur anfasst. Dem Internet hingegen geht solche Sinnlichkeit völlig ab. Auch bezüglich Gestaltung, Layout und Typografie hat Print die Nase vorn. Deshalb eignet sich Print hervorragend als Imageträger. Das gut gemachte Kundenmagazin, der hochwertige Geschäftsbericht spricht die Sinne unmittelbar an, man kann damit Botschaften aussenden. Glänzend oder matt, edel oder zurückhaltend, luxuriös oder betont umweltfreundlich – all das kann Print vermitteln. Ein digitales Medium, aufgebaut aus Bits, Bytes und Pixel, kann hier nicht mithalten.

 

Der grösste Unterschied ist aber die Geisteshaltung, die der Leser bei der Lektüre von Print-Produkten einnimmt. Während scheinbar bessere und relevantere Inhalte im Web immer nur einen Klick entfernt sind, ist bei Print das Gegenteil der Fall: Wir bringen dem Titel ein grundsätzliches Vertrauen entgegen und lassen uns dadurch vertieft auf seine Inhalte ein – was uns wiederum motiviert, Themen und Artikel bewusster zu reflektieren und einzuordnen.

 

Die harten Fakten

Print bleibt zentral. Als Temporegulierer in digitaler Eile, Orientierungshilfe, Impulsgeber und Vertiefungsmedium im Zusammenspiel mit Digital. In einer repräsentativen Studie des Content Marketing Forums waren auch letztes Jahr noch 83% der Befragten überzeugt, dass Printmedien weiterhin eine wesentliche Rolle im Content Marketing spielen werden.

 

Die nackten Zahlen der Studie sprechen ebenfalls – entschuldigen Sie den Ausdruck! – Bände. Während digitale Content-Marketing-Medien selbstverständlich zulegen, wächst nämlich auch der Printbereich: Auf gedruckte Medien entfallen im deutschen Sprachraum jährlich Investitionen in Höhe von 3,4 Milliarden Euro, was gegenüber 2016 einer Zunahme von stattlichen 10 Prozent entspricht. Nicht schlecht für eine todgeweihte Branche.

 

P.S.:

Zum zehnten Todestag von Prince im Jahr 2026 freuen wir uns übrigens auf eine umfassende Würdigung seines musikalischen Schaffens – gerne auch in gedruckter Form.