«Faszination Fliegen»

Anthony Vallon ist Testpilot bei den Pilatus Flugzeugwerken. Dank minutiöser Vorbereitung minimiert er Risiken. Er sagt: «Es braucht das richtige Zusammenspiel von Technik, Engineering und praktischer Flugerfahrung.»

 

Central – das Entscheidermagazin von CKW

Das Interview erschien erstmals im Central – dem Entscheidermagazin von CKW in der Ausgabe 2/18 unter dem Titel «Faszination Fliegen». Konzeption, Redaktion und Gestaltung: RedAct Kommunikation AG. Text Isabelle Frühwirt, Fotos Philipp Schmidli.

 

 

«Bevor ich abhebe, bereite ich mich präzise vor und stehe im engen Austausch mit den Ingenieuren und Mechanikern», sagt Anthony Vallon. «Gerade die experimentellen Flugversuche mit noch nicht zugelassenen Flugzeugtypen sind besonders herausfordernd.» Diese erfordern auch die aufwendigste Vorbereitung. So tastet sich das Team beispielsweise mithilfe von Computersimulationen vorsichtig an die Grenzwerte heran. «Dank der genauen Abklärung aller Eventualitäten machen mir solche Testflüge keine Angst», sagt Vallon.

 

 

Von Stans nach Australien

Kein Arbeitstag gleicht bei dem 33-jährigen Testpiloten dem anderen. Die einzige Konstante: Der Tag beginnt mit einer Besprechung mit den anderen Piloten um 7.45 Uhr bei den Pilatus Flugzeugwerken in Stans. «Aber auch nur, wenn ich nicht gerade auf einer Auslieferung bin», sagt Vallon. Auslieferung bedeutet in diesem Fall, dass Vallon ein neues Flugzeug zu einem Kunden fliegt. Ist dieser beispielsweise in Australien zu Hause, nimmt der Hinweg inklusive Zwischenstopps zwei Wochen in Anspruch.

Daneben führt Vallon auch Schulungen mit den neuen Flugzeugbesitzern in Stans durch. «Einen grossen Teil meiner Arbeit machen aber die Produktionstestflüge aus», sagt er. «Bevor wir ein Flugzeug ausliefern, testen wir seine Systeme, nehmen die Werkseinstellungen vor und fliegen es Probe.»

 

Schulterblick Magazin: Kompetenz auf 16 Seiten

«Köpfe statt Knöpfe» – so kann das strategische Konzept des B2B-Kundenmagazins umschrieben werden. Denn auch für Unternehmen wie die CKW gilt: Leser wollen keine Produktbeschriebe lesen, sondern erfahren, was die Kompetenzen des Absenders beim Kunden bewirken.

 

 

Zusammenspiel der Disziplinen

Schon als Teenager interessierte sich Vallon für die Fliegerei, damals waren es allerdings noch Modellflugzeuge. Bei Pilatus absolvierte er dann eine Lehre als Anlagen- und Apparatebauer – umgangssprachlich Flugzeugspengler – und bekam Einblick in die zahlreichen Produktionsschritte beim Bau eines Flugzeugs. «Mich faszinierte schon damals das Zusammenspiel der Disziplinen: Die Konstrukteure beschäftigen sich mit der Bautechnik, die Ingenieure berechnen Statik und Dynamik – und die Piloten mit der praktischen Flugerfahrung», sagt Vallon. Später absolvierte er im Fernstudium die Ausbildung zum Berufspiloten, studierte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) Aviatik und kam dann zurück zu Pilatus.

 

Anthony Vallon checkt den Propeller.

Vor jedem Flug führt Anthony Vallon minutiöse Kontrollen an der Maschine durch.

 

Selbst gebautes Flugzeug

Vallons Faszination für Flugzeuge geht so weit, dass er gar selber eines gebaut hat. Er kaufte sich ein Flugzeugkit, das alle nötigen Bestandteile enthielt, und setzte sie innerhalb von über sechs Jahren in aufwendiger Kleinarbeit zusammen. «Mir hat der handwerkliche Aspekt bei der Arbeit gefehlt», erklärt er seine Motivation. Im November letzten Jahres flog er zum ersten Mal mit seinem eigenen Flugzeug – als sein eigener Testpilot. Nun durchläuft sein Flugzeug den Abnahmeprozess bei den Behörden.

Egal, ob bei seinem eigenen Flugzeug oder bei denen von Pilatus: Sicherheit steht an erster Stelle. «Eine sorgfältige Vorbereitung ist das A und O», sagt Vallon. «Kein Flug ist wie der andere.» Genau das sei aber auch das Schöne an seinem Beruf.

 

Flugzeuge «made in Switzerland»

Die 1939 gegründete Pilatus Flugzeugwerke AG ist die einzige Schweizer Firma, die Flugzeuge entwickelt, baut und verkauft. Ihre neuste Entwicklung ist der PC-24, der weltweit erste Businessjet, der auch auf Naturpisten operieren kann. Mit über 2000 Mitarbeitenden an ihrem Hauptsitz in Stans ist Pilatus einer der grössten Arbeitgeber in der Zentralschweiz.